EKD-Synode: Kein Spiegel der Gesellschaft

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Eine lange Tradition: Namhafte Politiker in hohen evangelischen Funktionen. Jetzt: Irmgard Schwaetzer, Foto: Engelbert Reineke (1991)

Wer entscheidet da eigentlich diese Woche in der EKD-Synode über das „Familienpapier“ der evangelischen Kirchen? Es sind Theologen und Juristen. Und wer regelt das kirchliche Arbeitsrecht neu? Das entscheiden die kirchlichen Personalleiter und ihre Justiziare. Ein Querschnitt der Betroffenen ist es jedenfalls nicht. Das ist, nur leicht zugespitzt, das Ergebnis einer demographischen Analyse des höchsten Gremiums der Evangelischen Kirche in Deutschland, die gegenwärtig in Düsseldorf tagt.

Demnach sind 59 der 124 auf der EKD-Website genannten Synodenmitglieder TheologInnen, die entweder direkt im Dienst der Kirche stehen (bzw. standen) oder an Hochschulen lehren, also von der Kirche – als Unternehmen, nicht als Seelsorgeanbieter – sozialisiert und abhängig sind. Hinzu kommen weitere (mindestens) sechs, die bei der Kirche arbeiten und mindestens zwei, bei denen erkennbar ist, dass sie die Kirche zu ihren Kunden zählen.
15 Synodenmitglieder arbeite(te)n beim Öffentlichen Dienst und Militär, 13 als hauptberufliche JuristInnen, und drei als JournalistInnen. Acht sind hauptberufliche (Ex-) Politiker, wobei ich den wissenschaftlichen Referenten der Grünen, Johannes Grün, dabei mitzähle. Besonders praktisch: Er schafft im Büro der EKD-Synodalen und Grüne-Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt. Dort haben zwei von vier Beschäftigten ein Theologiestudium absolviert (Grün nicht) – aber die Kirchennähe der Grünen ist ein anderes Thema.

Nur wenige Mitglieder stehen aufgrund der Angaben auf der EKD-Website unter dem Verdacht, einfache Laien zu sein. Der weit überwiegende Teil der Synodalen ist in leitender Position tätig. Also nicht einfach als Pfarrerin, sondern als Superintendentin, Pröbstin oder Leiterin eines Kirchenamtes. Nicht einfach als Rechtsanwalt, sondern als Juraprofessor oder Landgerichtspräsident. Nicht als politische Hinterbänklerin, sondern als (Ex-)Ministerin oder Fraktionsvorsitzende. Nicht als Verwaltungsangestellter, sondern als Landrat, Ex-Präsident eines Landesrechnungshofs oder zumindest Schuldirektor.

Eine Besonderheit sind die 20 Synodenmitglieder, die nicht von den Landessynoden gewählt, sondern vom Rat der EKD berufen wurden, also vom operativen Leitungsgremium. Vier der acht PolitikerInnen kamen über diesen Weg in die Synode. Von den sieben so „berufenen“ Kirchentheologen haben sechs eine leitende Position, die siebte ist eine junge Pfarrerin, die vielleicht auch den (offensichtlich sehr hohen) Altersdurchschnitt des Gremiums ein wenig senken sollte. Mit einigen hinzu geholten externen Experten für Kirchenrecht und Kirchenfinanzen wollte sich der Rat wohl entsprechendes Wissen in die Synode setzen. Außerdem wurde anscheinend auf Querverbindungen zu anderen gesellschaftlichen Gruppen geachtet. Dem verdanken die führende Gewerkschafterin von der IG BCE und eine Deutsche Bank-Direktorin ihre Sitze in dem höchsten EKD-Gremium. Der Deutsche-Bank-Frau hat in ihrer Position als Leiterin von „Corporate Social Responsibility“ vielleicht ethisches Wissen, um bei der EKD mitzureden, war aber offensichtlich in den vergangenen Jahren bei der Deutschen Bank wenig erfolgreich.
Dass der Gerontologe Prof. Andreas Kruse nur deswegen in die EKD-Synode berufen wurde, um darin den vielen Älteren beizustehen (mindestens 22 Ruheständler), ist aber eine böswillige Unterstellung, die nur Kirchenhassern einfallen kann.

Ulli Schauen, kirchenhasser.de

Link:
Die Mitglieder der 11. Synode der EKD

Ein Gedanke zu „EKD-Synode: Kein Spiegel der Gesellschaft

  1. get smart

    Wirtschafts- und sozialpolitisch profilierte sich Göring-Eckardt während der Regierungszeit von Rot-Grün unter Bundeskanzler Gerhard Schröder als entschiedene Befürworterin der Hartz-Reformen und der Agenda 2010 . Als Fraktionsvorsitzende der Grünen war sie maßgeblich daran beteiligt, die umstrittenen Gesetzespakete gegen innerparteiliche Widerstände durchzusetzen. Die Agenda 2010 bezeichnete sie im Zug dieser Auseinandersetzungen nicht nur als „mutig“ und „notwendig für das Gemeinwohl“, sondern darüber hinaus als „Frühling der Erneuerung“. Die mit Hartz-IV eingeführten Sanktionsmöglichkeiten wie zum Beispiel Leistungskürzungen seitens der Jobcenter charakterisierte sie als „Bewegungsangebote“ für die Betroffenen.

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